Wohingegen die Weihnachtsgeschichte auf die meisten Menschen eine derartige Faszination ausübt, dass man sie als in sich geschlossen und schlüssig akzeptiert, gibt es zahlreiche Kritiker, die die Weihnachtsgeschichte einmal näher durchleuchtet haben und denen die historische Anbindung der Weihnachtsgeschichte Probleme bereitet.

So werden z.B. im Lukasevangelium mit der erwähnten Volkszählung zwei verschiedene römische Verwaltungsvorgänge durcheinander gebracht, nämlich der Reichscencus, die Schätzung römischer Bürger im gesamten Imperium Romanum und der Provincialcencus, die Schätzung der Provinzbewohner, die das römische Bürgerrecht nicht besaßen. Der Tatenbericht des Augustus erwähnt einen Reichscensus 8 v. Chr. Ein Reichscensus kann Joseph jedoch nicht betroffen haben, denn wäre er römischer Bürger gewesen, hätte Pontius Pilatus seinen (Adoptiv-)Sohn nicht kreuzigen lassen dürfen. Dreizehn Jahre später, im Jahr 6 n. Chr. schickte Kaiser Augustus den Publius Sulpicius Quirinius als Statthalter in die Provinz Syria, in die das Königreich Judäa kurz zuvor eingegliedert worden war. In Judäa hielt er schließlich einen Provinzialcensus ab. Laut Matthäusevangelium wurde jedoch Jesus vor dem Tod Herodes des Großen (4 v. Chr.) geboren. Dies wiederum bedeutet, dass sich die beiden Evangelisten Lukas und Matthäus in ihren Versuchen, die Geburt des Erlösers in die säkulare Geschichte einzuordnen, widersprechen, da die von ihnen nahe gelegten historischen Daten um mehr als eine Dekade auseinander liegen.

Aus diesen und weiteren Widersprüchen innerhalb der beiden biblischen Weihnachtsgeschichten ziehen heute die meisten Historiker und Theologen den Schluss, dass es sich um literarische Fiktionen handelt, mit denen die Gottessohnschaft Christi und sein Kommen in die Welt historisch und prophetisch glaubhaft gemacht werden sollen.
Dennoch büßte die Weihnachtsgeschichte nichts von ihrer Faszination auf die Menschen ein. Obgleich die historischen Widersprüchlichkeiten deutlich scheinen, möchten die Menschen dieser Geschichte weiterhin Glauben schenken. Denn was wäre Weihnachten ohne die Weihnachtsgeschichte…




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